· 

ROCKY reloaded 4: Relevanz von ROCKY und aktueller Bezug der Thematik

Filmanalyse mit soziologischer Orientierung ist Kulturforschung, so das Plädoyer dieser Explorationsstudie. Die Forschungsarbeit findet ihre Motivation und Basis in der aktuellen Diskussion um die alltagsweltliche Relevanz von Medien in Bezug auf den menschlichen Körper.

 

„Filmsoziologie ist keine marginale Bindestrichsoziologie - sozusagen eine nette Ergänzung zu den >eigentlich< soziologischen Themen -, sondern Gesellschaftsanalyse, die uns direkt zu den gesellschaftlichen Konflikten, Sinnstrukturen und Ideologien führt, die unser Handeln prägen. Darüber hinaus lädt sie dazu ein, unser eigenes Handeln als Sozialforscher zu kontextualisieren." (Mai und Winter 2006, 14)

 

Ich unternehme im Konkreten den Versuch, Körperimaginationen und aktives körperlich-praktisches Tun in einen zirkulären Gesamtwirkungszusammenhang zu stellen. Die ständig miteinander im Präsentieren, Repräsentieren, Rezipieren und Aneignen verankerte, jeweils situativ, körperlich-stofflich unterschiedlich geprägte soziale Ordnung verdeutlicht die Bedeutung, die Sport und Spielfilme für ein heutiges Körperverständnis haben.

 

In Anklang an „[...] eine fluide körperbezogene Ordnung jenseits von Normen und Institutionen.“ (Bohle und Weihrich 2010, 8) verstehe ich das soziale Zusammenspiel von Körper und Bewegung als Paradoxon, sowohl normgenerierend als auch normdurchbrechend, sowohl als Produzent als auch Produkt von Sozialität. In der Bewegung von sportlichen Körpern und in ihrer scheinbar steifen Verbildlichung liegt jedoch jene gesellschaftliche Relevanz verborgen, die es hier schrittweise zu analysieren gilt.

Körperfiktionen in Sportspielfilmen

In Sportspielfilmen angebotene Körperfiktionen sind jedoch keineswegs so selbstverständlich zu beurteilen, wie so oft in den Kritik übenden Massenmedien zu lesen ist. Hierzu beispielhaft ein Artikel aus der Süddeutschen Zeitung, der bereits im Titel „Mörderische Medien – Warum Gewaltfilme und -spiele Gewalt verursachen“ (Schulte von Drach 2002) plakativ auf den scheinbaren Zusammenhang von Gewaltdarstellungen und deren Relevanz zu das Erwachsenenleben von medienkonsumierenden Kindern hinweisen möchte. Eine Pauschalisierung von Forschungsergebnisse, die einen Zusammenhang bestätigen, ist jedoch wissenschaftlich nicht haltbar, da neben dem Medienkonsum weitere soziale Kontextfaktoren einen entscheidenden Einfluss auf die spätere Gewaltbereitschaft haben. Vielmehr findet ein kreativer, individueller Bildungsprozess während der Rezeption statt, der immer im jeweiligen sozialen Kontext betrachtet werden muss, um nicht Gefahr zu laufen, Fehlinterpretationen zu unterliegen.

 

Diese Forschungsarbeit stellt den notwendigen Versuch dar, die Aneignungsvielfalt der ROCKY-Filme auch vier Jahrzehnte nach der ersten Filmvorführung zu verdeutlichen. Es ist nicht das Ziel der Arbeit, alle Teilaspekte hundertprozentig zu beleuchten, sondern darauf zu verweisen, dass Filmrezeptionsanalysen, wenn sie einen Anspruch auf Vollständigkeit erheben, eben immer kontextabhängig zu verstehen und nicht allgemein gültig sind. Dieses Faktum ist auch bei dieser Forschungsarbeit zu beachten, die nicht als abgeschlossen zu betrachten ist. Vielmehr stellt sie - so hoffe ich - für den Leser dieser Schrift einen Anreiz dar, den einen oder anderen Gedankengang weiterzuspinnen und noch weiter in die Tiefe zu gehen.

 

Außerdem bieten die hier vorgestellten Forschungsideen Anlass zur Analyse weiterer Sportspielfilme, die ebenso ein hohes Publikumsinteresse seit ihrem ersten Screening im Kinosaal hervorgerufen haben wie beispielsweise die Tanzfilme „Grease“ (1978), „Dirty Dancing“ (1987) und „Step Up“ (2006), der Footballfilm „Jerry Maguire – Spiel des Lebens“ (1996) und der Jugendfußballfilm „Die wilden Kerle“ (2003). ROCKY dient hier einer empirisch fundierten Betrachtung der Wechselwirkungen von Spielfilm und Sport in Bezug auf soziale Alltagshandlungen. Dieser Betrachtungsrahmen kann mit jeweiliger Fokussierung auf den konkreten Beobachtungskontext auch auf andere Sportspielfilme übertragen werden.

 

Weiter in ROCKY reloaded Teil 4 (ab 02.01.2019)!

Erwähnte Literatur:

  • Böhle, Fritz, und Margit Weihrich. 2010. „Zur Einfuhrung. Die Körperlichkeit sozialen Handelns. Soziale Ordnung jenseits von Normen und Institutionen“. In Die Körperlichkeit sozialen Handelns. Soziale Ordnung jenseits von Normen und Institutionen, 7–28. Bielefeld: Transcript. http://www.transcript-verlag.de/ts1309/ts1309_1.pdf.
  • Mai, Manfred, und Rainer Winter. 2006. „Kino, Gesellschaft und soziale Wirklichkeit. Zum Verhältnis von Soziologie und Film“. In Das Kino der Gesellschaft - die Gesellschaft des Kinos. Interdisziplinäre Positionen, Analysen und Zugänge, 7–23. Koln: Von Halem.
  • Schulte von Drach, Markus C. Schulte v. 2002. „Mörderische Medien: Warum Gewaltfilme und -spiele Gewalt verursachen“. sueddeutsche.de, April 27, Abschn. wissen. http://www.sueddeutsche.de/wissen/moerderischemedien-warum-gewaltfilme-und-spiele-gewalt-verursachen-1.632432.