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Interview mit Kathrin Rosi Würtz über Mode

Dieses Interview führte Heike Drexel, Expertin für Teambekleidung, mit mir. Ursprünglich ist es auf der Webseite www.stickdeinlogo.de erschienen.

1.) Welche Rolle spielt das Thema "Mode" in Ihrem Leben?

 

Wenn Sie mich heute sehen, dann könnten Sie meinen: “Ach du je, wie sieht denn die Würtz aus! Absoluter Kleidungskauderwelsch, da passt ja hinten und vorne nichts zusammen!” Ich bin ziemlich mode-resistent. Ehrlich gesagt, habe ich überhaupt keine Ahnung, was derzeit up-to-date sein könnte.

 

Wenn Sie jedoch die Soziologin in mir ansprechen, so finde ich das Thema “Mode” äußerst spannend. Während meines Magisterstudiums der Soziologie an der Universität Bonn nahm ich beispielsweise an dem Hauptseminar “Soziologie der Mode” teil. Wir machten uns Gedanken über modische Erscheinungen quer durch alle Gesellschaften. Welche Normen kommen in der aktuellen Mode zum Ausdruck gebracht? Welchem sozialen Zweck dient Mode? Sie sehen, dieses Thema ist für Soziologen gefundenes Fressen und quasi eine never ending story, auch wenn ich nicht unbedingt als Paradebeispiel einer aktuellen Mode gelten kann.

 

2.) Wie lautet Ihre ganz persönliche Definition von Stil?

 

Eine gute Freundin von mir sagte mir schon in meiner Jugend, dass ich “stillos” sei. Umso schwerer fällt mir die Definition von “Stil”. Stil ist eine Art Vereinbarung über das Schöne. Derjenige, der sich beispielsweise stilvoll kleidet, hat begriffen, was “gut” beim Publikum ankommt und was er zu unterlassen hat, um nicht negativ aufzufallen.

 

3.) Welchen Stellenwert hat das Thema Kleidung im Business? Gilt der Spruch: „Kleider machen Leute“ noch?

 

Ja, das Thema Kleidung ist allgegenwärtig. Nur ein Beispiel aus meinem Berufsfeld: Ein Kollege probiert derzeit den gesundheitlichen Effekt des Barfußgehens aus. Er wurde ernsthaft gefragt, ob er obdachlos sei, weil er auf der Straße keine Schuhe trägt. Wer sich nicht situationsgerecht zu kleiden weiß, hat schlechte Karten im Business. Die Bezeichnung “ordentliche Kleidung” beinhaltet es ja quasi schon: Kleidung, die eine gewisse Ordnung widerspiegelt. Eine Ordnung, die durch und durch gesellschaftlich geprägt ist. Und dies in der Businesswelt ganz besonders wichtig: Klare Kommunikation durch klar definierte Kleidung, deren special effects durch Asseccoirs gesetzt werden.

 

4). Welche Modesünde entsetzt Sie?

 

Moden, die willentlich andere Menschen bloßstellen und ein Anderssein nicht zulassen. Es sind nicht Moden, die mich entsetzen, sondern die Menschen, die diese als “Waffe” einsetzen.

 

5.) Wie empfinden Sie Corporate Fashion („Teamkleidung“) in Unternehmen?

 

Erholsam, um es ganz kurz und platt zu formulieren. Ich war als Austauschschülerin in einem englischen Internat südlich von London. Wir mussten alle eine Schuluniform tragen. In einem solchen Fall werden alle, zumindest optisch, gleichgestellt. Ich bin ausgebildete Physiotherapeutin und wenn Sie jeden Morgen wissen, dass Sie das Team-T-Shirt und eine weiße Hose tragen werden, entfällt das Grübeln am Kleiderschrank. Ebenso mache ich es bei meiner Tätigkeit als betriebliche Gesundheitsmanagerin. Neben der Einfachheit der Auswahl birgt dies auch die Möglichkeit, klare Zeichen der persönlichen Marke als Wiedererkennungseffekt zu setzen.

 

6.) Wo kaufen Sie Kleidung heute ein und wo werden Sie Textilien in den nächsten 5 Jahren einkaufen?

 

Eine sehr spannende Frage! Bei Sportkleidung achte ich mittlerweile besonders darauf, dass sie von nachhaltig produzierenden Unternehmen stammen. Im Laufbereich möchte ich KOSSMANN LaufDesign erwähnen. Als Lauf-Botschafterin dieses Textilherstellers habe ich die Chance, anderen Menschen zu zeigen, dass es auch 100% fair produzierte Sportbekleidung gibt. Ich hoffe, dass es in fünf Jahren leichter sein wird, an solche Kleidung zu kommen und sie häufiger in Geschäften zu finden ist.